Das Schönste an Wanheim ist die Straße zum Wedau-Stadion

Das Schönste an Wanheim ist die Straße zum Wedau-Stadion

(NRZ vom 17.03.1979)

Von Friedhelm Zielinski

"Das Schönste in Wanheim ist die Straße zum Wedau-Stadion. Wenn wir den MSV nicht hätten, wäre es hier ganz trostlos", meinen die 17jährigen Zwillinge Dieter und Klaus Dings vom MSV-Fan-Club "Die Zebras". Für die Fans, die die ganze Woche in Sachen MSV unterwegs sind, scheint am Wochenende die Sonne. Denn für die "Die Zebras" dauert ein Bundesligaspieltag von Freitag bis Sonntag.

So holen die jungen Duisburger meistens schon freitags ihre Freunde vom Fanclub des Gegners am Bahnhof ab. Beim Spiel des HSV in Duisburg übernachteten gar 10 Anhänger vom Fanclub "Rothosen" aus Hamburg bei Familie Dings. 15 Personen hatte Mutter Dings dann am Samstagmorgen zum Frühstück zu bewirten.

Und als die Frankfurter Eintracht beim FC Schalke zu Gast war, da fuhren nach dem Spiel gleich 13 Mann vom Fanclub "Frankfurt-Ried" zur Familie Dings "um guten Tag zu sagen". Sie übernachteten im gut ausgebauten und wohnlichen Keller. Doch die Dings-Brüder und ihre Freunde Michael Hörscher, Wolfgang Lenzen, Holger Werner, Michael Schwerz, Jerry Schneider und Achim Kadner machen es nicht anders.

Für sie dauerte das Bundesligaspiel in Bochum in der vergangenen Woche drei Tage. Bis Sonntag waren sie bei den Bochumer Fans zu Gast. Selbst als der MSV ein Freundschaftsspiel mit Austria Wien klar machte, das aber dann nicht stattfand, da der MSV wegen Nebel in Düsseldorf nicht starten konnte, waren Klaus Dings und Michael Hörscher in Wien.

Einige Wochen vorher waren sie beim Fan-Club "Rapid" eingeladen. "Den heiligen Rasen des Prater-Stadions haben wir jedenfalls besichtigt", freute sich Hörscher.

Für Klaus Dings war die Wien-Fahrt ein Ausgleich, da er aus beruflichen Gründen nicht mit nach Budapest konnte. Dafür waren aber seine sieben Freunde für jeweils 216 Mark mit dem Zug zum UEFA-Cup-Spiel Honved Budapest - MSV gefahren. Und die einzige Sorge war, ja wieder rechtzeitig zum Bundesligaspiel in Bochum zu sein.

Zum UEFA-Cup-Spiel in Straßburg waren sie mit vier Bussen angereist. Da hatten viele Anhänger beim 0:0 des MSV das Erfolgserlebnis. Den fünften Bus konnte der Busunternehmer nicht mehr stellen. Er hatte alle Wagen vermietet.

Auch in Jena war der Klub und gewann dort viele neue Freunde. Über 50 Briefe aus der DDR hat der Fan-Club nach dem Jenaspiel bekommen. Und jetzt gründet sich sogar, wie ein junger Mann aus der DDR in der vergangenen Woche dem Club schrieb, der "1. westsächsische MSV-Fan-Klub" in der Nähe von Dresden.

"Sponsor" Arthur Dings, der Vater der Zwillinge, toleriert mit seiner Frau die Fußballbesessenheit seiner Söhne. "Solange in der Ausbildung und in der Schule alles in Ordnung ist, habe ich gegen dieses immerhin kostspielige Hobby nichts einzuwenden.

So hat der Fan-Club ein eigenes Trikot, einen eigenen Wimpel, Aufnäher, Clubspruchband "Hupen ist zwecklos - Fahrer träumt vom MSV" sowie Aufkleber im Angebot. Durch den Verkauf der Souvenirs werden die Auswärtsfahrten günstig angeboten.

Sicher müssen die MSV-Anhänger auch viele Tiefschläge einstecken. So bekommen sie, wenn sie am Bahnhof ihre Freunde aus Hamburg, Frankfurt oder Stuttgart abholen, immer Ärger mit der Bahnpolizei. "Die meinen immer, wir wollen dort Krach anfangen", meinen alle ziemlich betrübt. "Doch wir sind diejenigen, die für Ruhe sorgen. Weil wir auch überall hinfahren und dort keinen Ärger haben wollen.

Die Kontakte zum MSV selbst sind schlecht. "Wir wünschen uns nur, dass der MSV uns endlich einmal anerkennt. Selbst die Stadiondurchsagen für unsere Auswärtsfahrten werden vom MSV nicht mehr gemacht", stellen die Fans ärgerlich fest. Nur mit Rolf Schafstall, der sie schon öfter zum Bier eingeladen hat, wenn sie ihre Karten im Klubhaus verkauften, und mit Nationalspieler Bernard Dietz haben die Fans Kontakt.

"Die Verantwortlichen unseres Vereins scheinen gar nicht zu wissen, wie wichtig diese Jungs für uns sind, bekräftigt Bernard Dietz sein "Hallo" zu den Fans. In der Tat, die jüngsten Begebenheiten zeigen, dass zumindest in der MSV-Geschäftsstelle ein gestörtes Verhältnis zu den jungen organisierten Anhängern herrscht.

Selbst in Jena machten die blau-weißen Fans den MSV bekannt. Beim UEFA-Cup-Spiel gegen Carl-Zeiss-Jena schlossen sie Freundschaften mit den einheimischen Fußballfans. Unser Bild zeigt die Schlachtenbummler vor ihrem Bus auf dem Marktplatz von Jena

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